Fakultät Wirtschaft - BWL

Banken im digitalen Wandel

Banken im digitalen Wandel

Teil I Disruptive Veränderungen…

Dem heutigen Tag haben viele Beobachter der heimischen Bankenszene in gespannter Erwartung entgegengesehen. Co-Chef der Deutschen Bank John Cryan hat der Öffentlichkeit die Grundzüge einer tiefgreifenden strategischen Neuausrichtung des deutschen Branchenführers vorgestellt, der einem Totalumbau des Traditionshauses gleichkommt. Entsprechend lautstark ist das mediale Echo zu vernehmen, wobei die Pläne zum Stellenabbau und Filialschließungen breiten Raum einnehmen. Nicht ganz bis in die obersten Headlines geschafft hat es ein Aspekt dieser Neupositionierung, der am Ende das größte Veränderungspotenzial entfalten könnte: Die Deutsche Bank will nämlich nicht nur Personal in einem Umfang von 9.000 Vollzeitarbeitsplätzen abbauen und 200 Filialen schließen, um Kosten zu senken, sondern im Gegenzug hunderte Millionen Euro in den Ausbau digitaler Technologien stecken. Also: Die Deutsche Bank wird weniger analog und dafür mehr digital!

 

Diese Entscheidungsfacette ist nicht mangels Brisanz wenig schlagzeilentauglich, sondern aufgrund des fehlenden Neuigkeitswerts. Viele andere Banken haben bereits früher damit begonnen, sich auf die digitale Reise zu begeben. Und das aus gutem Grund: Die Kunden – gewöhnt an die komfortablen und einfach zugänglichen Angebote der Internetgrößen im E-Commerce – fordern diese Convenience in der digitalen Kommunikation auch von ihrer Bank ein, ohne dass sie die Vorzüge der Beratung in der Filiale „um die Ecke“ missen möchten. Digital und analog – das ist es, was sie wollen und das beileibe nicht nur die in diesem Zusammenhang oft genannten Millenials aus der Generation Y. Zugleich zeigen innovative Unternehmen aus der Start-Up-Szene, dass digitale Kommunikationsstandards auch bei Finanzgeschäften möglich sind. Zwar sind – sieht man von Paypal und der starken Stellung dieses Hauses im E-Commerce-Zahlungsverkehr einmal ab – die Marktanteile dieser sog. FinTechs (noch) gering. Sie setzen aber gleichwohl die etablierten Banken und Sparkassen unter Druck, den neuen Wettbewerbern auf diesem Feld etwas entgegen zu setzen. Wenn diese Bastion erst einmal fällt und die Kontoführung als das zentrale Ankerprodukt mehr und mehr erodiert, wird es sehr viel schwerer, Kunden für attraktive Geschäftsfelder wie die Anlageberatung oder das Kreditgeschäft zu gewinnen. Als hätten die Banken in Zeiten eines anhaltenden Ertragsdrucks im Negativ- und Nullzinsumfeld sowie immer kürzer getakteten und verschärften Aufsichtsvorgaben nicht schon ohnehin alle Hände voll zu tun, öffnet sich jetzt die „digitale Flanke“ mit aller Macht. Während sich die düstere Zinslandschaft perspektivisch auch wieder aufhellen kann und selbst die längste Regulierungswelle irgendwann ausläuft, verbietet sich im digitalen Wandel die Strategie des „Aussitzens“ von vornherein. Man muss sich nicht das Schicksal der Phonoindustrie und des Buchhandels vor Augen führen, um zu erkennen, welches Bedrohungspotenzial für ein etabliertes Geschäftsmodell erwachsen kann, wenn sich die Spielregeln des Geschäfts komplett verschieben.

 

Fortsetzung folgt

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