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Ein Diamant in der Krone Mosbachs

6. Juni 2018

Rektorin und der Geschäftsführer der Stiftung im RNZ-Gespräch über die Aufgaben und Attraktivität des Standorts.

Arbeiten gemeinsam an der strategischen Entwicklung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Mosbach: Rektorin Prof. Dr. Gabi Jeck-Schlottmann und der Geschäftsführer der Stiftung "Pro DHBW Mosbach", Oberbürgermeister a.D. Gerhard Lauth. Foto: Frank Heuß


Das Interview führte Frank Heuß. Es erschien am 20. Mai 2018 in der Rhein-Neckar-Zeitung.

Durch die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) ist Mosbach mit seinen rund 25.000 Einwohnern eine Hochschulstadt im ländlichen Raum. Studierende aus ganz Deutschland und zunehmend auch aus dem Ausland werden hier akademisch ausgebildet.

Um in der Konkurrenz mit Hochschulen in den großstädtischen Ballungszentren mithalten zu können, entwickelt die DHBW beständig strukturelle Konzepte. Ein Eckpfeiler im Hintergrund ist die Stiftung "Pro DHBW Mosbach", über die sich die RNZ mit deren Geschäftsführer Gerhard Lauth und Rektorin Prof. Dr. Gabi Jeck-Schlottmann unterhalten hat.

Herr Lauth, was macht eigentlich die Stiftung "Pro DHBW Mosbach"?

Lauth: Die Stiftung wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen; die Stadt Mosbach gehörte zu den Gründern. Die Intention war und ist, die DHBW in Bereichen zu unterstützen, die nicht vom Staatshaushalt abgedeckt sind. Als Landesinstitution hat die DHBW ein Jahresbudget, das für den normalen Lehrbetrieb reicht, aber man muss auch darüber hinaus etwas bieten können. Wenn man das nicht kann, wird es in der Konkurrenz schwierig.

Wo liegen aktuell die Arbeitsschwerpunkte?

Lauth: Wir fördern verschiedene Bereiche. Da ist einmal die Qualität der Lehre. Da ist die Internationalisierung, ein wichtiger Bereich. Die Studierenden fit zu machen für das internationale Parkett, ist heute eine Notwendigkeit. Verschiedene Projekte haben wir in den Studiengängen. Reizvoll finde ich, dass wir als einzige duale Hochschule den Studiengang Bauingenieurwesen haben, der sehr stark nachgefragt ist. Dafür haben wir ein Baukompetenzzentrum gegründet, das von der Stiftung getragen wird. Und das neueste Kind heißt Digitalisierung. Hier sind wir dran, ein Konzept zu entwickeln, das speziell auf den ländlichen Raum ausgelegt ist.

Jeck-Schlottmann: Die Stiftung ist für uns unerlässlich - ein verlässlicher Partner, für dessen Unterstützung wir sehr dankbar sind. Ziel ist die strategische Weiterentwicklung der DHBW Mosbach. Im ländlichen Raum sehen wir uns in der Pflicht, das Personal so zu qualifizieren, wie es die Unternehmen hier brauchen, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. In den Studiengängen, die Digitalisierung originär betreffen, platzen wir aus allen Nähten. Wir würden das gerne ausbauen und um die wichtigen Bereiche Weiterbildung und kooperative Forschung ergänzen. Dazu soll ein "Open Lab" dienen, an das Firmen der Region ihre Fragestellungen herantragen können. Kleinere Firmen im ländlichen Raum könnten in der Digitalisierung abgehängt werden - da sehen wir unsere Verpflichtung zur Hilfestellung. Die Stiftung unterstützt uns hier.

Beschränkt sich das auf Geld oder kommt noch mehr hinzu? Etwa durch die Schaffung von Netzwerken?


Jeck-Schlottmann: Netzwerke sind natürlich immer gut, und da haben wir eine enge Zusammenarbeit.

Lauth: Das können wir mit einem Beispiel konkretisieren: Es geht um die Attraktivität des Standortes. Es war immer schon der Wunsch da, eine Blockhütte zu haben für die Studierenden. Unter den Studierenden heißt es immer noch "in Mos nix los". Das darf man zwar nicht überbewerten, aber es ist dennoch ein Slogan, der am Image kratzt. Und dagegen müssen wir gemeinsam etwas tun. Wir haben jetzt eine gute Aussicht, über das "Leader"-Programm der EU eine Förderung dafür zu beantragen, und die Stiftung würde auch etwas beitragen. Nach einem Gespräch mit OB Michael Jann bin ich nun guter Hoffnung, dass wir einen Standort finden. Der soll fußläufig erreichbar sein, aber auch einen gewissen Abstand zur Wohnbebauung haben. Wie etwa der Große Elzpark oder vielleicht am Eisweiher.

Verwaltet dieses Haus dann die Studierendenvertretung?

Lauth: Ich würde das zunächst mal an mich nehmen, sobald wir mit der Stadt einig sind. Dann mit dem Studiengang Bauingenieurwesen eine Planung vorlegen, Sponsoren suchen, den Antrag bei "Leader" stellen und schauen, dass von der Stiftung Mittel bereitgestellt werden. Wenn man dann Ende dieses oder Mitte nächsten Jahres eine Blockhütte für die Studierenden einweihen könnte, dann wäre das ein ganz starkes Signal.

Jeck-Schlottmann: Das Beispiel unterstreicht die Bedeutung der Stiftung, mit dem großen Ziel eines attraktiven Hochschulstandorts im ländlichen Raum. Dazu gehören neben einem zukunftsorientierten Studienprogramm auch das Studierendenleben, die Rahmenbedingungen und das Umfeld.

Was haben Sie neben dem genannten Projekt perspektivisch noch mit der Stiftung vor?


Lauth: Attraktiver Hochschulstandort heißt, dass wir auch in Konkurrenz mit anderen stehen. Es ist unabdingbar, mehr zu bieten, da weitaus größere Sponsoren im Land unterwegs sind, die mehr geben, als wir es können. Und dazu braucht man die Stiftung. Wir geben Geld für Dinge aus, die für den normalen Betrieb wichtig sind, aber wir müssen schon auch Nischen finden, in denen wir absolut "top" sind. Da gehört die Digitalisierung dazu, das wird sehr viel Geld kosten. Und dann gibt es das Baukompetenzzentrum als Alleinstellungsmerkmal, dessen Chance wir ergreifen müssen. Schon zu meiner Zeit als Oberbürgermeister habe ich diese Hochschule immer als Diamant in der Krone Mosbachs betrachtet.

Welche Rahmenbedingungen wünschen Sie sich, oder wo könnte noch etwas verbessert werden?

Lauth: Mit jeder Steuerschätzung wird der Geldbeutel des Landes und des Bundes dicker. Wir könnten wesentlich mehr Studierende annehmen, als es momentan durch den Haushalt möglich ist. Da könnte das Land schon noch etwas mehr tun und den Geldhahn etwas weiter öffnen. Aber die Stiftung ist auch dabei, bei den Partnerunternehmen das Bewusstsein zu schärfen, dass eine finanzielle Unterstützung eine Investition ist, die dem Unternehmen selbst wieder zugute kommt.

Müsste auch vonseiten der Stadt noch etwas getan werden?

Jeck-Schlottmann: Sicherlich. Es spricht vieles dafür, dass wir uns organisatorisch verdichten sollten. Ein Ersatzneubau wäre nicht schlecht. Wir haben derzeit fünf in der Stadt verteilte Liegenschaften, noch mehr Verteilung brauchen wir sicherlich nicht. Ideal wäre eine Konzentration auf zwei Standorte in Mosbach mit einem zentral gelegenen Hauptcampus. Hier brauchen wir die Unterstützung der Stadt.

Wie sehen Sie die "Marktposition" der DHBW in der Hochschullandschaft? Wo liegen die Stärken und Schwächen dieser "dritten Stufe" nach Universität und Fachhochschulen?

Jeck-Schlottmann: Wir sind unter den Hochschulen im anwendungsorientierten Bereich positioniert. Unter den Anbietern dualer Studienangebote ist die DHBW Marktführer. Unser großer Vorteil liegt in der Dualität mit einer echten Verzahnung zwischen Theorie und Praxis. Wir haben mit Bad Mergentheim zusammen etwa 3600 Studierende. Die Absolventen haben keinen "Praxis-Schock", sind sofort einsatzfähig, und das Studium hier ist planbar - die Vorlesungen überlappen sich nicht, nach drei Jahren ist man fertig. Das kommt bei den Studierenden gut an und bei den Unternehmen auch. Die Übernahmequoten in feste Arbeitsverhältnisse sind sehr hoch.

Stellen Sie sich vor, Sie wollten einen Abiturienten davon überzeugen, ein DHBW-Studium aufzunehmen und vollenden Sie dafür den folgenden Satz: "Komm zum dualen Studium an die DHBW Mosbach, weil…"

Jeck-Schlottmann: ... Du hier dein Ding machen kannst!

Lauth: ...Du dich hier wohlfühlen kannst und gleichzeitig auf hohem Niveau ausgebildet wirst!