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Ing., jung, weiblich sucht den Weg nach oben

12. Februar 2019

MINT-Förderung von Studentinnen


Junge Frauen sind in Technik- und Informatikstudiengängen immer noch deutlich unterrepräsentiert. An der DHBW Mosbach liegt der Anteil angehender Ingenieurinnen und Informatikerinnen je nach Studiengang zwischen knapp 10 Prozent und etwa 25 Prozent. Das Programm woman@MINT soll mit einer Workshop-Reihe Abhilfe schaffen.

Deutschlandweit gesehen haben Ingenieurinnen trotz des Fachkräftemangels im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen immer noch größere Probleme, im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, und gelangen wesentlich seltener in Führungspositionen, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte der DHBW Mosbach Prof. Gudrun Reichert. „Die Gründe hierfür sind vielfältig, liegen aber keinesfalls in mangelnder Fachkompetenz, denn die wenigen Frauen, die sich für ein Technik- oder Informatikstudium entscheiden, schließen dieses meist mit überdurchschnittlichem Ergebnis ab.“ Auch die Abbruchquote sei niedriger als bei den männlichen Kommilitonen.  

Laut einer VDE-Umfrage aus 2014 waren mehr als die Hälfte der befragten Ingenieurinnen gewillt, eine Führungsposition zu übernehmen. Als Haupthindernis gaben sie negative Vorurteile gegenüber Frauen in technischen Berufen an. „Den Frauen scheint es häufig nicht zu gelingen, ihre hohe Fachkompetenz angemessen nach außen zu kommunizieren und sich im Unternehmen erfolgreich zu positionieren“, so Gudrun Reichert. Schwierig sei auch der Umgang mit dem „Exotinnen-Status“, mit dem Frauen in den männerdominierten Technik- und Informatikbereichen sowohl im Studium als auch im Beruf leben müssen. Verhalten sie sich „zu weiblich“, werden die Unterschiede zu den männlichen Kollegen noch betont, ahmen sie dagegen „männliche“ Verhaltensweisen nach, wirke dies oft unauthentisch und sie erscheinen als profilierungssüchtig und dominant.

Hier setzt die modulare Workshop-Reihe an, die an der DHBW Mosbach für MINT-Studentinnen im Rahmen des Programms women@MINT angeboten wird. Die Auftaktveranstaltung am 2. Februar 2019 beschäftigte sich mit dem Erkennen der eigenen Stärken und Ziele, einer Reflexion der eigenen Verhaltensmuster und eventueller emotionaler Fallen sowie mit individuellen Strategien zur Zielerreichung. Zwei weitere Workshops folgen im Mai und im Oktober 2019. Die Workshops bauen zwar thematisch aufeinander auf, können aber auch jeweils separat besucht werden. Neben der Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit besteht ein weiteres Ziel der Workshop-Reihe in der jahrgangsübergreifenden Vernetzung von MINT-Studentinnen.

„Die „Blitzlicht“-Umfrage unter den Teilnehmerinnen am Schluss des Tages ergab, dass die Erwartungen übertroffen wurden und dass die jungen Frauen viel für sich persönlich mitnehmen konnten“, freute sich Reichert. Der Netzwerk-Gedanke sei ebenfalls angekommen: Bereits während des Tages wurde eine Whatsapp-Gruppe gegründet und auch auf Instagram posteten die Studentinnen direkt aus dem Workshop.

Tanja Eggers von ANCORIS Consulting leitete den Workshop und zog folgendes Resümee: „Als Alumna der DHBW Mosbach freut es mich sehr, dieses Projekt zu begleiten. Auf Basis meiner Erfahrungen als Managerin und Business Coach habe ich diese Workshop-Reihe für junge Frauen konzipiert, damit sie ihre Stärken und Talente (wieder) erkennen, um diese gezielt im beruflichen und privaten Kontext einzusetzen, für ein Diversity-Teamwork – auf Augenhöhe. Ich war sehr beeindruckt davon, wie selbstreflektiert die Studentinnen im Workshop agiert haben, wie offen sie für den angebotenen Perspektivwechsel waren und welche persönlichen Erkenntnisse und AHA-Effekte dadurch gewonnen wurden.“

Prof. Gudrun Reichert

Professorin Allgemeine BWL Fakultät Wirtschaft
Gleichstellungsbeauftragte

gudrun.reichert(at) mosbach.dhbw.de 06261 939-122 Detailansicht