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Wenn wir nur geredet hätten…

8. Juni 2018

Bildungspartnerschaft mit Vortragsabend feierlich verlängert

Erkennbar groß war die Freude unter allen Bildungspartnern, als sie die 2011 erstmals unterzeichneten Verträge per Unterschrift nun im Audimax der DHBW erneuerten. Dr. Thomas Pauer, Prof. Dr. Gabi Jeck-Schlottmann, Dr. Hanns-Lothar Förschler, Gerhard stock und Richard Zöller (v. l.).
War als „Streithammel“ angekündigt worden und erwies sich als solcher ebenso wie als Verfechter der Kommunikation zwischen Mensch und Mensch: Dr. Franz Alt.

Seit sieben Jahren sind die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach, die Johannes-Diakonie, die Sparkasse Neckartal-Odenwald und das Auguste-Pattberg-Gymnasium Bildungspartner. Mit der zweiten Neuunterzeichnung der Verträge signalisierten nun alle vier Partner im Audimax, wie wichtig ihnen ist, was DHBW- Rektorin Prof. Dr. Gabi Jeck-Schlottmann eine „sehr, sehr lebendige Kooperation“ nannte.

Der Bedeutung des Anlasses angemessen, war als Gastredner Dr. Franz Alt gekommen. Der streitbare Journalist sprach über ein Thema, das nach Jeck-Schlottmanns Worten Wesen einer Bildungspartnerschaft ist: Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg. Für Alt, den das „Unternehmen Zukunft“ seit jeher umtreibt, hätte und könnte weit über Bildungspartner-schaften hinaus der Weltenlauf mit guter Kommunikation ein besserer sein (können). Wie er das mit Vehemenz kommunizierte, wie er darüber aus selbst Erlebtem und eigener Erfahrung sprach, das fesselte die Zuhörer eine gute Stunde lang.

Zunächst jedoch ging es darum, zu Papier zu bringen, was zwischen den vier Partnern als vereinbart gilt und was als kontinuierlicher Prozess den Übergang von der Schule in die Ausbildung, das Studium und den Beruf bereits seit Jahren positiv beeinflusst. Für APG-Schulleiter Dr. Thomas Pauer dienen das Lernen außerhalb der Schule sowie die Möglichkeit, Fachleute als Referenten in die Schule zu holen, der beruflichen Orientierung seiner Schüler.  Eben weil die Bildungspartnerschaft nicht nur auf dem Papier stehe, lobte Sparkassen-Direktor Gerhard Stock die langjährige Kooperation, die auch die Ausbildungs- und Studierfähigkeit (zum Beispiel mit Knigge-Training) verbessere.

„Brücken bauen statt Brüche verursachen“

DHBW-Rektorin Jeck-Schlottmann ergänzt: „Wir sollten den Übergang von der Schule zur Hochschule bestmöglich erleichtern, Brücken bauen statt Brüche verursachen.“ Durch eine Bildungspartnerschaft fänden die Schülerinnen und Schüler besser das richtige Berufsfeld oder Studium. Schließlich sei es nicht einfach, bei der Flut an Angeboten das richtige Studium zu finden, so die Professorin.

Dr. Hanns-Lothar Förschler, Vorstandsvorsitzender der Johannes-Diakonie, sieht durch den Partner Johannes-Diakonie die soziale Komponente in dem ganzen Bildungspartnerschafts-gefüge und damit die heute so oft geforderten Soft Skills der jungen Menschen gestärkt. Mit der Feststellung, dass der Austausch unter den Kooperationspartnern für alle gut sei, leitete Gabi Jeck-Schlottmann schließlich zum Vortrag von Franz Alt über. Deutschlehrer Richard Zöller, der am APG von Anfang an in das Bildungspartnerbilden maßgeblich eingebunden war, kündigte einen „Streithammel“ an.

Das ließ sich der Altmeister des Wortes und des Streites nicht ungern sagen, legte gleich mit fester Stimme los und stellte eine steile These auf mit der Behauptung, dass die Ewigbaustelle Berliner Flughafen mit besserer Kommunikation wohl doch schon fertig sein könnte. Auch Elbphilharmonie und Stuttgart 21 litten darunter, dass die Kommunikation nicht stimme, brachte Alt Beispiele aktuellen Kommunikationsversagens. Um dann ganz weit auszuholen. Von Jesus, dessen (aramäische) Worte Franz Alt in einem seiner Bücher neu „übersetzt“, über Berta Benz und Kaiser Wilhelm II bis zu Gerhard Schröder – lauter falsch verstandene Worte, mangelnde Kommunikation. Klimawandel und MeToo-Debatte, Finanzblase und Flüchtlingsströme, Digitalisierung und Wissensflut – Franz Alt hat zu allem was zu sagen (meist kritisch), und er tat das im freien Redefluss.

Digitalisierung ersetzt nicht Kommunikation von Mensch zu Mensch

Die Menschheit habe zwar zwischen 1800 und 1900 ihr Wissen verdoppelt und werde es – so die Prognose -  ab 2050 alle fünf Minuten verdoppeln, doch, so fragte der fast Achzigjährige: „Was ist dann Kommunikation?“ Wenn wir nicht kommunikationsfähig würden, nütze uns das enorme Wissen nichts. In der Vernetzung und Digitalisierung der Welt erkennt Alt durchaus die Chancen. „Doch sie können niemals der Ersatz werden für die Kommunikation von Mensch zu Mensch.“ Als wichtiges Instrument der lernenden und arbeitenden Gesellschaft, knüpfte er an den Anlass des Abends an, hätten moderne Technologien ihren Platz in unserem Leben. „Aber sie ersetzen nicht den Lehrer, die Mentoren.“

Alle von Menschen gemachten Probleme – da kennt Dr. Alt sich aus – seien auch von den Menschen lösbar. „Wenn wir besser, intensiver, tiefer miteinander kommunizieren.“ Was dieses „besser“ ist, das gab er seinen Zuhörern in Form von elf Geboten mit: Achtsamkeit, Eindeutigkeit, Wahrhaftigkeit, Selbsterkenntnis als Voraussetzung für Kommunikation, auf die Seele achten, Freude an der Arbeit, Unternehmen müssen mit der Gesellschaft kommunizieren, Beziehungskultur ist wichtiger als Konkurrenzkultur, Empathie, Lob und Kommunikation als spirituelle Aufgabe.

Mit Sekt, Häppchen und – entspannter – Kommunikation zwischen Mensch und Mensch klang der Abend aus.