Auf verlässlichen Daten gebaut

Neuer dualer Studiengang verbindet Vermessung, Geoinformatik und digitales Bauen

Im Herbst 2027 soll an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach der neue Bachelorstudiengang „Vermessung und digitales Bauen“ starten – vorbehaltlich der laufenden Akkreditierung. Das duale Studienangebot verbindet Vermessung und Geoinformatik mit Building Information Modeling (BIM). Es reagiert damit auf den wachsenden Bedarf an Fachkräften, die sowohl bei Neubauprojekten als auch im Bestand Bauwerke präzise erfassen und in verlässlichen digitalen Modellen abbilden können.

Eine Wasserleitung ist im Bauplan in 1,70 Metern Tiefe eingezeichnet. Beim Baggern wird sie dort jedoch nicht gefunden. Die Arbeiten müssen unterbrochen, die Umgebung manuell untersucht und anschließend weiter aufgegraben werden – bis die Leitung schließlich in 2,70 Metern Tiefe auftaucht. Solche Abweichungen kosten Zeit und Geld und können erhebliche Risiken verursachen. „Gerade bei älteren Bauwerken und Infrastrukturen sind Bestandspläne häufig unvollständig, nicht mehr auffindbar oder entsprechen nicht der tatsächlichen Situation vor Ort“, erklärt Bauingenieur Prof. Dr.-Ing. Markus Schönit, der die Studiengangsleitung in der Anlaufphase übernimmt. Der Studiengang soll vorbehaltlich der laufenden Akkreditierung im Herbst 2027 starten.

„Eine präzise Vermessung liefert die unverzichtbare Datengrundlage. Ihr langfristiger Nutzen entsteht aber erst dann vollständig, wenn die Informationen strukturiert in digitale Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse einfließen“, so Schönit. Der neue duale Bachelorstudiengang „Vermessung und digitales Bauen“ ist daher bewusst breit angelegt: Neben Geodäsie und Geoinformatik – also der präzisen Vermessung sowie der digitalen Verarbeitung und Darstellung räumlicher Daten – bildet Building Information Modeling (BIM) einen zentralen Bestandteil des Studiums. „Wir bilden Vermessungsingenieurinnen und Vermessungsingenieure aus, die nicht nur messen, sondern Bauwerksdaten auch modellieren, prüfen, koordinieren und über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks nutzbar machen können.“

Verlässliche Daten für Planung, Bau und Betrieb

Building Information Modeling bezeichnet eine kollaborative Arbeitsmethode, bei der relevante Informationen über ein Bauwerk in einem digitalen Modell zusammengeführt und miteinander verknüpft werden. Dazu können geometrische Daten ebenso gehören wie Unterlagen, Pläne, Bauteileigenschaften, Aufgaben, Termine und Kosteninformationen. Eine gemeinsame Datenumgebung, die sogenannte Common Data Environment (CDE), ermöglicht den strukturierten und nachvollziehbaren Austausch zwischen allen Projektbeteiligten – von Vermessungsfachleuten und Architekturbüros über die Tragwerksplanung und die Fachplanung der technischen Gebäudeausrüstung bis hin zu den ausführenden Handwerksbetrieben.

Auf dieser Grundlage können digitale Zwillinge entstehen, die Bauwerke und Infrastrukturen über ihren gesamten Lebenszyklus abbilden und Informationen aus Planung, Bau und Betrieb miteinander verbinden. Bei großen Bau- und Infrastrukturvorhaben – insbesondere im öffentlichen Bereich – gewinnen digitale Informationsmodelle und verbindlich definierte BIM-Rollen zunehmend an Bedeutung. Auftraggeber können bereits in der Ausschreibung festlegen, welche Informationen wann, in welcher Qualität und in welchem Format bereitzustellen sind. Dazu kann auch die Besetzung bestimmter Rollen innerhalb des BIM-Prozesses gehören.

BIM-Kompetenz wird zum wichtigen Qualifikationsmerkmal

Besonders anspruchsvoll ist die nachträgliche Digitalisierung bestehender Gebäude und Infrastrukturen. „Sie lässt sich nicht einfach nebenbei erledigen: Vorhandene Unterlagen müssen bewertet, reale Geometrien und Leitungsverläufe vermessen, unterschiedliche Datenquellen zusammengeführt und auf Widersprüche geprüft werden“, so Markus Schönit. Anschließend gilt es, die Ergebnisse in ein fachlich belastbares Modell zu überführen. Dafür braucht es speziell qualifizierte Vermessungsingenieurinnen und Vermessungsingenieure, die klassische Messtechnik ebenso beherrschen wie Geoinformationssysteme, Datenmanagement und BIM-Prozesse.

Vor Studienbeginn ist einer von zwei Schwerpunkten zu wählen:

  • Ingenieurvermessung: Im Mittelpunkt stehen die angewandte Bauvermessung, Grundlagen der Baukonstruktion und der Infrastrukturplanung sowie Vermessungsaufgaben bei der Planung, dem Bau und der Überwachung technischer Objekte. Ergänzt wird das Profil durch Grundlagen der Vermessung im Eisenbahnwesen und der Bauabrechnung.
  • Öffentliche Vermessung: Dieser Schwerpunkt vertieft Kenntnisse in der Katastertechnik und der angewandten Geoinformatik. Weitere Themen sind die Raum- und Bauleitplanung, die Bodenordnung sowie die Immobilien- und Grundstückswertermittlung.

Damit eröffnet der Studiengang vielfältige berufliche Perspektiven – beispielsweise in Vermessungs- und Ingenieurbüros, Bau- und Infrastrukturunternehmen, Vermessungs- und Flurbereinigungsbehörden, Regierungspräsidien, Landratsämtern und Kommunen sowie bei Energieversorgern und Unternehmen aus den Bereichen Telekommunikation, Straßen-, Schienen- und Wasserwege.

Praxisnah studieren im BIM-Labor

Wie alle Studienangebote der DHBW ist auch „Vermessung und digitales Bauen“ praxisintegrierend konzipiert. Über sechs Semester wechseln sich rund dreimonatige Theoriephasen am Campus Mosbach mit ebenso langen Praxisphasen bei einem Dualen Partner ab. Das Studium umfasst 210 ECTS-Punkte und schließt mit dem akademischen Grad Bachelor of Engineering (B.Eng.) ab.

Für die Laborübungen steht den Studierenden eine moderne technische Infrastruktur zur Verfügung. Zur Ausstattung gehören klassische Vermessungsinstrumente wie Tachymeter, Nivellier und Totalstation, welche durch Laserscanner, Vermessungsdrohnen, GNSS-Empfänger und AR-Technik sowie CAD-Arbeitsplätze und Hochleistungsrechner mit einschlägiger Software ergänzt werden.

An der Entwicklung des Curriculums waren mehrere Vertreterinnen und Vertreter von Vermessungsbüros, Vermessungsbehörden und Verbänden beteiligt. 

Mehr Infos zum Studiengang: www.mosbach.dhbw.de/vdb

 

Prof. Dr.-Ing. Markus Schönit
  • Studiengangsleitung Bauingenieurwesen - Projektmanagement - Tiefbau
  • Studiengangsleitung Vermessung und digitales Bauen

Neckarburkener Str. 8
74821 Mosbach

Portrait