Internationales Studienkolleg: Ein Lied als Wegbegleiter

Vierter Jahrgang des Studienkollegs feierlich verabschiedet

Im Kreis von Familie, Freunden und der Hochschule erhielten die Kollegiatinnen und Kollegiaten des internationalen Studienkollegs am DHBW-Campus Bad Mergentheim im Schloss ihre Abschlusszeugnisse. Für sie ist dieser Moment weit mehr als nur ein Meilenstein: Er ist der Lohn für ein intensives Vorbereitungsjahr in einem fremden Land und zugleich der Auftakt zu etwas Neuem.

Manchmal steht man vor dem Spiegel und fragt sich, ob man den weiten Weg vor sich wirklich gehen kann – die Welt so groß und laut, man selbst so klein. Mit diesem Bild aus dem aktuellen Lied „Glaub an dich“ von BearyTunes verabschiedete Campusleiterin Prof. Dr. Kim Linsenmayer die 24 jungen Menschen aus 17 Ländern, die erfolgreich das Studienkolleg am Campus Bad Mergentheim absolviert haben. Sie traf damit genau das Gefühl, das viele von ihnen im vergangenen Jahr kannten. Denn Mut, so Linsenmayer, bedeute vor allem eines: anzufangen, ohne zu wissen, wie es endet. Die Absolventinnen und Absolventen hätten sich entschieden, in ein neues Land zu kommen, sich einer fremden Sprache, ungewohnten Lehrmethoden, der Unsicherheit und manchmal auch dem Heimweh zu stellen. Das sei kein kleiner Schritt gewesen – das sei Mut gewesen, Entscheidungen zu treffen, auch wenn man Angst habe. 

Haeramb Jajpura, der ins duale Studium der Elektro- und Informationstechnik an der DHBW Mannheim startet und seine Praxisphasen bei der ABB AG verbringen wird, fand schon als Zehnjähriger seine Leidenschaft für Maschinen, Robotik und Programmieren. Am Studienkolleg waren es vor allem Mathematik und Physik, die genau diese Faszination für technische Zusammenhänge weiter beflügelten. „Ich habe schnell gemerkt, wenn man kontinuierlich jeden Tag lernt und am Ball bleibt, ist eigentlich nichts wirklich schwer.“ Getragen habe ihn durchs Jahr „die großartige Atmosphäre. Man kommt leicht mit anderen dualen Studierenden in Kontakt, tauscht sich aus und lernt gemeinsam in einem sehr motivierenden Umfeld.“ 

Sprache, Wissen und Kultur

Dieses Umfeld zeigte Prof. Dr. Axel Gerloff, Leiter der Nebenstelle des Studienkollegs Konstanz an der DHBW in Bad Mergentheim, in einer Bilderschau. Exkursionen zu Unternehmen und DHBW-Standorten, geselliges Beisammensein bei Spieleabenden mit deutschen Gesellschaftsspielen und Erlebnisse mit der Deutschen Bahn – mit kleinen Anekdoten ließ Gerloff den Alltag im Studienkolleg lebendig werden. Ziel des Studienkollegs sei schließlich die sprachliche und fachliche Vorbereitung auf ein Technik-Studium in Deutschland, aber auch die Kultur kennenzulernen. Rund die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen hat bereits einen Vertrag für ein duales Studium an einem der neun DHBW-Standorte in der Tasche oder befindet sich gerade im Bewerbungsprozess dafür. Die andere Hälfte studiert bald an einer Fachhochschule oder Universität. Gerloffs besonderer Dank ging dabei an die Porsche AG, die wie auch die Familienstiftung Sturm und die Stiftung Pro DHBW Mosbach das Studienkolleg, großzügig fördert. Porsche ermöglichte den Kollegiaten durch Freikarten bei einem Bundesligaspiel unvergessliche Sportmomente und ein zwangloses Kennenlernen mit ehemaligen Absolventen des Studienkollegs. 

„Keine Chance verpassen“

Leon Busuru sieht diesen Gedanken auch in seiner eigenen Geschichte:Als ich nach Deutschland gekommen bin, hatte ich einen großen Traum: Ich wollte eines Tages für ein gutes Unternehmen arbeiten und ein duales Studium absolvieren.“ Er hätte nie gedacht, wie lang und anspruchsvoll der Weg dorthin sein könnte. „Heute weiß ich, dass man seine Ziele nicht vorschnell aufgeben sollte. Mit Ausdauer, Unterstützung und harter Arbeit konnte ich meinen Traum verwirklichen. Im September werde ich mein duales Studium der Informatik bei Nokia beginnen. Darauf bin ich sehr stolz.“ Die größte Herausforderung war, alles gleichzeitig zu bewältigen. Neben dem anspruchsvollen Unterricht am Studienkolleg habe er sich auf duale Studienplätze beworben, Bewerbungsunterlagen vorbereitet und an Vorstellungsgesprächen teilgenommen. „Das war eine sehr intensive Zeit, weil ich viel lernen musste und gleichzeitig keine Chance verpassen wollte.“ Abhinav Yograj Jawle aus Indien beschreibt das Studienkolleg als „einzig realistischen Weg für mich als Student aus Indien, in Deutschland zu studieren.“ Das letzte Jahr habe ihm bewiesen, dass er „in einem völlig fremden System“ bestehen kann – eine Erkenntnis, die sein Selbstvertrauen nachhaltig gestärkt hat. „Ich hatte keine Ahnung wie das deutsche Bewerbungsystem funktioniert – Auswahltagе, Gruppenaufgaben, strukturierte Interviews auf Deutsch. Es gab viele Absagen und Momente, wo ich nicht wusste ob es klappt. Aber ich habe nicht aufgehört und am Ende hat es funktioniert.“ Im Herbst geht es los mit Angewandter Informatik. 

Linsenmayers Gedanken von Mut, Zweifel und Wachstum griff auch Rand Janoudi, eine Kurssprecherin des Studienkollegs, in ihrer Rede aus einer sehr persönlichen Perspektive auf. Offen beschrieb sie, wie es sich manchmal wie ein harter Kampf angefühlt habe, auf der anderen Seite der Welt zu leben und die eigene Muttersprache nicht nutzen zu können. Dann braucht es jene leiseren, alltäglichen Formen von Mut und Wachstum, die neben den großen Entscheidungen oft übersehen werden. „Ich sehe einen gewaltigen Unterschied bei mir vor dem Studienkolleg und heute“, gibt sie zu. Fertig mit dem Studienkolleg ist sie, doch nicht mit dem Lernen und Wachsen: „Was wir heute feiern, ist eigentlich kein Ende, sondern der Anfang eines neuen und größeren Weges!“