Vollgas durch die Altstadt
Maschinenbau-Studierende fahren im Mosbacher Seifenkistenrennen
Unter strahlend blauem Sommerhimmel rollte eine bunte Flotte selbst gebauter Fahrzeuge durch die Mosbacher Altstadt: Mit pfeilförmigen Profi-Flitzern, historischen Nachbauten und kreativ zusammengezimmerten Kisten in allen Farben und Formen erlebte die Stadt erstmals seit 1952 wieder ein großes Seifenkistenrennen – und die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach war dabei.
Maschinenbau-Studierende nutzten das Rennen, um ihr Fachwissen aus dem Hörsaal in ein fahrbares Ergebnis zu übersetzen. Bereits im Wintersemester hatten sie begonnen, Konzepte zu skizzieren und Materialien zu beschaffen. Was im Maschinenbau-Studium täglich auf dem Lehrplan steht – Kräfteberechnung, Gewichtsoptimierung, Fahrwerksgeometrie – wurde beim Bau der Seifenkiste auf einmal handfest erlebbar. „Wir haben tatsächlich aerodynamische Grundlagen aus dem Studium genutzt, um die Kiste zu gestalten“, brachte es ein Teammitglied auf den Punkt. „Das ist Theorie zum Anfassen.“
Was eine Seifenkiste über Ingenieurskunst lehrt
Unter dem DHBW-Teamfähnchen trat die Gruppe in der Erwachsenenklasse an und zog mit ihrem Fahrzeug – ein strömungsgünstig geformter Rumpf in den DHBW-Farben Rot und Grau – viel Aufmerksamkeit auf sich. Für Außenstehende mag ein Seifenkistenrennen wie harmloses Kinderspiel wirken. Doch eine selbst gebaute Kiste muss Sicherheitsanforderungen erfüllen, mit einem funktionierenden Lenk- und Bremssystem ausgestattet sein und dabei noch schnell, stabil und im besten Fall unverwechselbar aussehen. Das erfordert Planung technisches Knowhow und Teamarbeit.
Drei Studenten und zwei Studentinnen fuhren einzeln auf Zeit und kamen auf Zeiten zwischen 34,6 und 40,2 Sekunden. Bei rund 100 Fahrern reichte das für das vordere Mittelfeld. Die Zeitabstände waren gering, der schnellste Fahrer brauchte gut 31 Sekunden für die abschüssige Strecke vom Mosbacher Finanzamt zur alten Bergsteige.
Prof. Dr.-Ing. Andreas Weißenbach, Studiengangsleiter im Maschinenbau an der DHBW Mosbach, hatte den Studierenden den Bau der Seifenkiste als sogenannte Studienarbeit aufgetragen, die im letzten Studienjahr durchgeführt und am Ende auch benotet wird. Er zieht ein Fazit: „Was uns an diesem Projekt so fasziniert hat, ist die Unmittelbarkeit des Erlebens. Unsere Studierenden wenden im Studium täglich Methoden der Konstruktionslehre, der Statik und der Strömungsmechanik an. Aber zwischen einer Berechnung auf dem Papier und einem Fahrzeug, das wirklich funktioniert, liegt ein Erfahrungsraum, den keine Vorlesung vollständig abbilden kann. Genau den haben wir hier betreten.“
Gleichzeitig habe das Projekt auch unerwartete Lernmomente bereitgehalten: „Die Studierenden haben schnell gemerkt, wo die klassischen Tücken eines solchen Vorhabens liegen: Fertigungstoleranzen, die sich im realen Bau ganz anders verhalten als im CAD-Modell; Materialentscheidungen, die unter Zeitdruck getroffen werden müssen; und nicht zuletzt die Koordination im Team, wenn alle eine gute Idee haben, aber nur eine umgesetzt werden kann.“
Genau diese Kombination kennzeichnet das duale Studienmodell der DHBW: Theorie aus dem Hörsaal, Praxis im Betrieb, und immer wieder Momente, in denen beides zusammenkommt. Das Rennen lehrte, wo eine gute Idee auf dem Papier endet und eine Konstruktion beginnt, die sich mit echtem Tempo auf der Rennstrecke beweisen muss.
Für die Studierenden der DHBW bleibt die Gewissheit, dass gutes Ingenieurwesen manchmal die Form einer Seifenkiste annimmt – und dass eine abschüssige Straße ein sehr unterhaltsames Prüffeld sein kann.

