Wenn Studienarbeiten lebendig werden

Tag der Technik 2026 an der DHBW Mosbach

Studienarbeiten standen im Juni wieder im Mittelpunkt beim Tag der Technik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mosbach. Das E-Gebäude im Lohrtalweg verwandelte sich in eine bunte Werkschau aus Prototypen, Postern und Pitch-Gesprächen. 

Rund 110 Studierende der Studiengänge Elektrotechnik, Maschinenbau und Mechatronik präsentierten, was sie in den vergangenen Wochen und Monaten berechnet, konstruiert, programmiert und gebaut haben. Eingeladen waren Studierende, Lehrende, Partnerunternehmen und alle technisch Interessierten.

Energie und Nachhaltigkeit – die Themen der Stunde

Wer durch die Reihen schlenderte, merkte schnell: Die großen gesellschaftlichen Trendthemen prägten auch in diesem Jahr das Bild der Studienarbeiten. Besonders präsent war das Thema Energie. Eine Strompreisampel für dynamische Stromtarife etwa zeigte mit einem Mikrocontroller, einem Display und einer kleinen LED-Ampel an, wann es am wenigsten kostet, die Waschmaschine einzuschalten. Das System ruft alle 15 Minuten die Strompreise bei der Bundesnetzagentur ab und signalisiert farblich – grün, gelb oder rot – das aktuelle Preisniveau. Aufgabe war es, die Preisschwankungen im Alltag sofort sichtbar zu machen, ohne extra in eine App schauen zu müssen.

Gleich nebenan drehte sich – im wörtlichen Sinne – ein 3D-gedrucktes Modell einer tragbaren Windenergieanlage für Outdoor- und Campinganwendungen. Auch Themen wie SmartGridHome (intelligentes Energiemanagement), die Konzeption einer Biogasanlage für den Heimgebrauch und eine solarbetriebene Ladestation für autonome Rasenmäher zeigten die Bandbreite der Energiewende-Projekte.

Wärmewende zum Selberbauen: PVT-Modul auf dem Hochschuldach

Eines der ambitionierteren Projekte des Tages war eine DIY-Variante eines PVT-Moduls – also eines kombinierten Photovoltaik- und Thermie-Moduls. Die siebenköpfige Gruppe montierte auf dem Dach der Hochschule PV-Module, die mit Wärmetauschern erweitert wurden. Durch ein Rohrsystem hinter den Modulen fließt ein Kältemittel, das sie kühlt und damit ihren Wirkungsgrad steigert. Gleichzeitig wird die aufgenommene Wärme in einen Pufferspeicher abtransportiert. Langfristig ist die Ankopplung an eine Wärmepumpe vorgesehen, womit eine vollständig geräuschlose Nutzung der Umweltwärme auch im Winter möglich ist. 

Bei den Testläufen brachte die Anlage – schon ohne die Wärmepumpe – das Arbeitsmittel auf rund 42 °C und den Pufferspeicher auf gut 40 °C. Die Eigenbau-Anlage könnte, so das Team, mit weiteren Komponenten ein gut gedämmtes Haus perspektivisch energieautark betreiben und dabei nur die Hälfte von dem kosten, was Konkurrenzprodukte auf dem Markt veranschlagen. Für Privatpersonen ohne Werkstattzugang ist ein echter DIY-Aufbau derzeit noch utopisch. Als Konzept- und Modellaufbau an der Hochschule liefert das Projekt aber wertvolle Erkenntnisse zu Berechnung, Verschaltung, Hydraulik und Wirtschaftlichkeit.

Künstliche Intelligenz und Automatisierung

Auch das Megathema Künstliche Intelligenz war allgegenwärtig. Mehrere Arbeiten widmeten sich dem Projekt Birdstrike, in dem ein KI-gestütztes System Radardaten auswertet, um Vogelschlag zu vermeiden. Ein Studierender präsentierte Möglichkeiten, mit KI-Agenten frühzeitig den Wartungsbedarf von Maschinen zu erkennen, ein anderer eine Künstliche Intelligenz zur Vorhersage von Schlechtteilen mit Hilfe von Audiodaten. Dazu kamen ein Chatbots, ein englisch-deutscher Übersetzer und das Training einer KI für das interne Wissensmanagement im Werkzeug- und Maschinenbau.

Maschinenbau zum Anfassen …

Im Maschinenbau beeindruckte ein großformatiger Kombi-Plotter mit Schneid- und Zeichenfunktion mitsamt automatischem Werkzeugwechsler. Auf einer Arbeitsfläche von DIN A1 schneidet er Vinylfolie und zeichnet mit Fineliner oder Kugelschreiber. Mit Gesamtkosten von rund 1.000 Euro schließt der Prototyp eine echte Marktlücke zwischen teuren Profigeräten und einfachen Hobbyplottern.

Ein CAD-Modell einer vollautomatischen Anlage zur Herstellung von haltbarem Apfelsaft zeigte, wie man mit einem Strombedarf von 20,5 kW 280 Liter Saft pro Stunde produzieren kann – inklusive aller Prozessschritte von der Befüllung über Reinigung, Maischeherstellung und Fest-Flüssig-Trennung bis hin zu Klärung, Konservierung und Abfüllung. Auch der Nachbau des historischen Wasserflugzeugs Do X von Claude Dornier wurde mit Detailkonstruktionen von Motorgondeln über Stummelstiele bis zur Flügelspitze vorangetrieben.

… und Vorwärtskommen

Gleich mehrere Studierende arbeiteten am Projekt „Pimp My Oldie“ um einen VW-Käfer mit Elektroantrieb auszustatten. Andere modellierten und validierten Antriebsstrangkomponenten eines Formula Student Rennfahrzeugs oder entwickelten eine elektrische Rangierhilfe für Anhänger. Hinzu kamen Konzepte für eine Seifenkiste für das Mosbacher Stadtfest, ein Blended-Wing-Body-Feuerlöschflugzeug.

Der Tag der Technik 2026 hat einmal mehr gezeigt: An der DHBW Mosbach werden Trends nicht nur diskutiert, sondern in Hardware, Software und Stahlbau übersetzt. Energiewende, KI, Automatisierung und Mobilität – die Antworten der nächsten Ingenieursgeneration stehen schon auf den Postern. Und manche von ihnen drehen, leuchten oder rechnen schon ganz von allein.