Studienverlauf & Organisatorisches
Der Studiengang ist in der Fakultät Wirtschaft angesiedelt und schließt mit einem Bachelor of Science (B.Sc.) ab. Er erstreckt sich über sechs Semester, d. h. sechs Theorie- und sechs Praxisphasen. Neben klassischen Vorlesungen und Seminaren ist das projektbasierte Lernen ein fester Bestandteil des Curriculums. Es handelt sich um einen interdisziplinären Studiengang mit zwei Studienrichtungen Sustainable Management in Business und Sustainable Management in Technology. Ausgestaltet werden die Module so, dass die unterschiedlichen Perspektiven der wirtschaftlichen und technologischen Zusammenhänge aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Sicht vermittelt werden. Darüber hinaus werden auch ethische, rechtliche und Governance-bezogene Fragestellungen systematisch behandelt - etwa Stakeholderkommunikation, Corporate Social Responsibility, Corporate Governance, Nachhaltigkeitsberichterstattung sowie die regulatorischen Anforderungen an nachhaltiges Wirtschaften.
Nachhaltig wirtschaften heißt nicht, einzelne Maßnahmen umzusetzen. Es heißt, komplexe Zusammenhänge verstehen und in operative Entscheidungen übersetzen – Energie, Rohstoffe, Lieferketten, Regulierung, Technologie und Finanzierung zusammenzudenken, statt sie in getrennten Abteilungen zu bearbeiten. Der Studiengang Sustainable Management bildet genau diese Fähigkeit aus, aufgebaut auf vier Kompetenzfeldern. Dazu gehören ausdrücklich auch Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Unternehmenskultur, Mitbestimmung, Diversität, Compliance und der verantwortungsvolle Umgang mit den Ansprüchen unterschiedlicher Stakeholder.
Ressourcen- und Lieferkettenresilienz
Globale Lieferketten sind verwundbar – durch geopolitische Verschiebungen, Rohstoffknappheit und regulatorische Eingriffe. Studierende lernen, Materialflüsse zu analysieren, kritische Rohstoffe zu identifizieren und Beschaffungsstrategien zu entwickeln, die ein Unternehmen widerstandsfähiger machen. Dazu gehören die Diversifizierung von Lieferantenstrukturen, die Verlagerung von Beschaffung in geographisch oder politisch stabilere Regionen sowie Szenarioanalysen, die Risiken sichtbar machen, bevor sie eintreten. Gleichzeitig wird die soziale Dimension der Wertschöpfungskette einbezogen: Dazu zählen menschenrechtliche Sorgfaltspflichten, die Vermeidung von Kinderarbeit, Sklaverei und Ausbeutung, der Aufbau von Beschwerdemechanismen sowie die Berücksichtigung gesetzlicher Anforderungen aus dem Lieferkettenkontext.
Energie- und Transformationskompetenz
Energie ist zum strategischen Engpass geworden – in der Verfügbarkeit, im Preis und in der regulatorischen Bewertung. Studierende lernen, wie Energiemärkte funktionieren, welche Optionen Unternehmen bei Strombeschaffung, Eigenversorgung und Speicherung haben und wie Effizienzmaßnahmen und Dekarbonisierung wirtschaftlich geplant und umgesetzt werden. Ziel ist nicht, Energieingenieure auszubilden, sondern Manager, die energiebezogene Entscheidungen fundiert treffen und mit technischen Fachabteilungen auf Augenhöhe arbeiten können. Transformationsentscheidungen werden dabei nicht nur technisch und wirtschaftlich, sondern auch mit Blick auf ihre organisatorischen, gesellschaftlichen und regulatorischen Folgen betrachtet.
Kreislaufwirtschaft und Produktgestaltung
Produkte so zu gestalten, dass sie länger halten, repariert, wiederaufbereitet und am Ende in Kreisläufe zurückgeführt werden können, ist kein ökologisches Ideal – es ist ein wachsendes regulatorisches und wirtschaftliches Erfordernis. Studierende lernen die Prinzipien kreislaufgerechter Gestaltung, der industriellen Wiederaufbereitung und von Rücknahmesystemen kennen und verstehen, wie sich Lebenszykluskosten berechnen und in Geschäftsmodelle übersetzen lassen. So entsteht die Fähigkeit, Produkte und Prozesse nicht nur nachhaltiger, sondern gleichzeitig wirtschaftlich tragfähiger zu denken. Ergänzt wird dies durch die Frage, wie institutionelle Rahmenbedingungen, Konsumentenverhalten und gesellschaftliche Akzeptanz die Umsetzung nachhaltiger Wertschöpfungskreisläufe beeinflussen.
Daten- und Steuerungskompetenz
Nachhaltigkeit lässt sich nur steuern, wenn sie messbar ist. Studierende lernen, mit Nachhaltigkeitskennzahlen zu arbeiten, Gesamtbetriebskosten über den vollständigen Lebenszyklus zu berechnen, interne CO₂-Preise als Entscheidungsgrundlage einzusetzen und relevante Daten aus betrieblichen Informationssystemen zu gewinnen. Darüber hinaus beschäftigen sie sich mit KI-gestützter Risikoüberwachung – also der Frage, wie Unternehmen Frühwarnsysteme aufbauen, die ökologische, soziale und ökonomische Risiken erkennen, bevor sie zu Problemen werden. Dazu gehört auch, Nachhaltigkeitsleistung gegenüber unterschiedlichen Anspruchsgruppen nachvollziehbar zu berichten - von CSR-Zielen, Risiken und Chancen über Berichtspflichten und EU-regulatorische Anforderungen bis hin zu Kennzahlensystemen, Scorecards, Rankings und wertschöpfungskettenübergreifendem Controlling.
Soziale Nachhaltigkeit und Arbeitsweltgestaltung
Nachhaltigkeit im Unternehmen zeigt sich nicht nur im Umgang mit Energie und Ressourcen, sondern auch im Umgang mit Menschen. Studierende lernen, soziale Nachhaltigkeit im Unternehmen und entlang der Wertschöpfungskette zu definieren, zu messen und aktiv zu gestalten. Dazu gehören Arbeits- und Gesundheitsschutz, faire Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung, Gleichberechtigung, Diversity in Führungspositionen, die Schließung von Gender Pay Gaps, Weiterbildungszugänge für Mitarbeitende, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Partizipation und Mitbestimmung. Hinzu kommen globale Fragen wie gerechte Ressourcenverteilung, Schutz regionaler Bevölkerungsgruppen, kulturelle Vielfalt, Integration, Beschäftigungseffekte und Generationengerechtigkeit.
Governance, Recht und Stakeholdersteuerung
Nachhaltige Unternehmensführung braucht belastbare Governance-Strukturen. Deshalb erwerben Studierende Kompetenzen in Wirtschaftsethik, Corporate Governance und nachhaltiger Unternehmenskultur. Sie setzen sich mit Werten im Managementprozess, dem normativen Ansatz der Corporate Social Responsibility sowie den rechtlichen Anforderungen an nachhaltiges Handeln auseinander. Zugleich lernen sie, Stakeholder systematisch zu identifizieren, ihre Ansprüche zu bewerten und Kommunikation so zu gestalten, dass Konflikte transparent bearbeitet und Transformationsprozesse tragfähig umgesetzt werden können. Ziel ist es, Nachhaltigkeit nicht nur operativ umzusetzen, sondern auch institutionell, kulturell und rechtlich wirksam im Unternehmen zu verankern.
Der Studiengang umfasst insgesamt 210 ECTS.
- 60 ECTS beinhalten Basiswissen Management.
- In den drei Teilbereichen Ökonomie, Ökologie und Soziales werden jeweils 20 ECTS vergeben, wobei hiervon auch jeweils 10 ECTS studienrichtungsabhängig sind.
- Die übrige Schwerpunktlegung umfasst 90 ECTS.
Die ECTS-Leistungspunkte lassen sich auch in Studiengang- und Studienrichtungsebene (Schwerpunktlegung) unterscheiden. 90 ECTS sind auf Studiengangsebene und 120 ECTS auf Studienrichtungsebene anzusiedeln.
Studieninhalte nach Semester
Grundlagen nachhaltiger Betriebswirtschaftslehre
- Einführung in die nachhaltige BWL
- Technik der Finanzbuchführung
Datenanalyse und Visualisierung
- Data Literacy und empirisches Arbeiten
Grundlagen der Nachhaltigkeit
- Einführung in die Nachhaltigkeit
- Grundlagen der Kreislaufwirtschaft
Digitale Transformation in Wirtschaft und Gesellschaft
- Begriffliche und wirtschaftliche Grundlagen der Digitalen Transformation
Nachhaltigkeitsprojekte Grundlagen I
Schlüsselqualifikationen
- Teamtraining
- Grundlagen wissenschaftliches Arbeiten
Stakeholderkommunikation
- Interne Kommunikation
- Externe Kommunikation
Grundlagen der nachhaltigen Volkswirtschaftslehre
- Einführung der Volkswirtschaftslehre
- Geld, Währung und ausgewählte Themen der Wirtschaftspolitik
Grundlagen Natur- und Klimaschutz
- Grundlagen Naturschutz
- Grundlagen Klimaschutz
Digtale Transformation in Wirtschaft und Gesellschaft
- Technologische Grundlagen der Digitalen Transformation
Nachhaltigkeitsprojekte Grundlagen II
Schlüsselqualifikationen
- Teamtraining
- Grundlagen wissenschaftliches Arbeiten
Entwicklung und Marketing nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen
- Entwicklung / Innovation von nachhaltigen Produkten & Dienstleistungen
- Marketing von nachhaltigen Produkten & Dienstleistungen
Circular Economy I - Versorgung / Open Loop
- Rohstoffgewinnung, Produktion & Energiewirtschaft
- Distribution, Wohnen & Mobilität
Ethik und Kultur
- Kultur und Nachhaltigkeit
- Ethik des wirtschaftlichen, technischen und sozialen Handeln
Systemisches Denken
- Systemtheorie und Mathematik für komplexe Systeme
- Komplexität, Systems Dynamics
Nachhaltigkeitsprojekte Systeme I
Sustainable Strategy
- Nachhaltige Strategieentwicklung und Unternehmensführung
- Nachhaltige Geschäftsmodelle / Entrepreneurship
Recht und Politik
- Nachhaltige Rechtssysteme
- Nachhaltige politische Systeme
Circular Economy II - Rückführung / Closed Loop
- Redistribution & Aufbereitung
- Wiedereinsatz & Upcycling
Grundlagen der Ökologie
- Ökologische Systeme
- Wirkungszusammenhänge von Lebensräumen
Nachhaltigkeitsprojekte Systeme II
Sustainable Finance
- Grundlagen Sustainable Finance
- Unternehmensrechnung
Ressourcenmanagement und Nachhaltigkeitsreporting
- Management natürlicher Ressourcen
Nachhaltigkeitsprojekte Strategien und Technik I
Wahlfächer Sustainable Business Management
- Auswahl aus: Advanced Sustainable Finance, Soziale Nachhaltigkeit, Nachhaltiges Ressourcenmanagement, Circular Economy - Etablierung von Wertschöpfungskreisläufen, Nachhaltiges Bauen
Informationstechnologien für das Nachhaltigkeitsmanagment
- Digitale Dinge, Dienste und Daten im Prozessmanagement
- Smart Product Lifecycle Management
Technische Basiskonzepte für die Nachhaltigkeit
- Messen und Bilanzieren von Emissionen und Immissionen
Wahlfächer Sustainable Technology Management
- Auswahl aus: Nachhaltiges Bauen, Nachhaltige Produktion, Nachhaltige Logistik und Transport, Nachhaltige Verfahrenstechnik, Nachhaltige Informationstechnologien, Nachhaltige Energietechnologien
Management sozialer Nachhaltigkeit
- Grundlagen und Erkenntnisstand sozialer Nachhaltigkeit
- Fallstudien sozialer Nachhaltigkeit
Ressourcenmanagment und Nachhaltigkeitsreporting
- Nachhaltigkeitsreporting und Taxonomie
Nachhaltigkeitsprojekte Strategien und Technik II
Wahlfächer Sustainable Business Management
- Auswahl aus: Advanced Sustainable Finance, Soziale Nachhaltigkeit, Nachhaltiges Ressourcenmanagement, Circular Economy - Etablierung von Wertschöpfungskreisläufen, Nachhalitges Bauen
Technik, Mensch und Gesellschaft
- Integration und Interaktion zwischen Mensch und Maschine
- Einsatz, Bewertung und Auswirkungen von Technologien
Technische Basiskonzepte für die Nachhaltigkeit
- Roh- und Werkstoffe in der Kreislaufwirtschaft
Nachhaltigkeitsprojekte Strategien und Technologien II
Wahlfächer Sustainable Technology Management
- Auswahl aus: Nachhaltiges Bauen, Nachhaltige Produktion, Nachhaltige Logistik und Transport, Nachhaltige Verfahrenstechnik, Nachhaltige Informationstechnologien, Nachhaltige Energietechnologien
